Steel Pulse - Portrait

1

 Reggae Fever 
Reggae Fever
„We just can't ignore the politics, because every life and soul that's born on this earth is a political manoeuvre for someone, at some stage...From a spiritual aspect, it's really an upliftment through facing reality - what's out there. We deal with positive spirits. It means putting aside the guns, the drugs and all of the things that are ailments of society - especially the black communities right now" (David Hinds)

Steel Pulse wird von vielen Fans und Kritikern als Nachfolgerband von Bob Marley and The Wailers gesehen. Und tatsächlich war die Gruppe eine von Bob's Lieblingsbands.

Ihr Debut-Album Handsworth-Revolution (1978) zählt wohl zu den aufwendigsten Reggae-produktionen aller Zeiten. 10 Jahre kämpften Steel-Pulse um kommerzielle Akzeptanz. Mit jedem neuen Album experimentierte die Band um den idealen Weg zwischen Erfolg und Erfüllung zu finden. Steel Pulse hieß die Geburt eines neuen Reggae-Stils – einer gelungenen Mischung aus konsequentem, revolutionären Roots-Reggae, Flamenco und Pop und Texten, die von Hoffnung, Sozial Reform, Bildung und Aktivismus handeln. Dies und die hervorragenden Gesangsfähigkeiten von David Hinds sind es, die die Fasziantion an Steel Pulse ausmachen. Auf diese Weise ist Steel Pulse ein sehr gutes Beispiel an dem sich die Evolution des Reggae zeigen lässt.

Die Familien der Steel-Pulse Mitglieder verließen in den 50er Jahren die Karibik und ließen sich im Handsworth-Viertel in Birmingham, England nieder. Handsworth war die größte Karibik-Kummune in ganz England und zu dieser Zeit eine Hochburg des Reggae. Die Kinder erfuhren so die gesamte kulturelle Breite der Karibik und wurden durch Einflüsse von Ska, Calypso und Reggae geprägt.

Steel Pulse wurde 1975 durch Gittarist Basil Gabbidon, Sänger David Hinds und Bassist Ronald McQueen, der die Band nach einem bekannten Rennpferd nannte, gegründet. Bald kamen noch Basil's Bruder Colin und Selwyn Brown zur Band hinzu. Die jungen Musiker wollten über die Musik ihren Frust über das britische System zeigen. David Hinds sagt darüber

„There was continued confrontation with Police harassment with all the black youths in the community. There was declining educational system, and there was a high rise on unemployment in the black community, so we needed something to keep our spirits up and keep us conscious in what we're doing as Black people as a minority in England. So we stuck in on the music“

Bis sie ihre erste Single finazieren konnten, spielte die Band vor allem in englischen Pubs und Clubs. Der Song „Kibudu, Mansetta and Abuku“ sollte den schwarzen Jugendlichen der Großstadtghettos die Verbundenheit mit ihrer spirituelle Heimat Afrika zeigen. Ein großer Erfolg, der die englischen Reggae charts stürmte, wurde die zweite Single „Nyah Luv“ 1977, der überhaupt erste Song den David Hinds schrieb.

Der frühe Erfolg von Steel Pulse kam erstaunlicher Weise durch die Punk-Rock-Scene daher, da sich die Band als Mitglied der „Rock Against Racism“-Bewegung mit diversen Bands wie Generation X, the Stranglers oder XTC präsentierte (R.A.R.). Das brachte mit sich, dass Steel-Pulse von den Punks in eine Rolle gedrückt wurden, mit der sich die Band selbst nicht identifizieren konnte. David Hinds dazu:

„We were saying things that they wanted to hear...“ und weiter: „we had to stop the music quite a few times and tell them we weren't into that kind of thing, and what we're in about is reggae. It was a different texture of music and a different subject matter to what the punks was dealing with. After a while they got accustomed to Steel Pulse, and they stopped the spitting.“

Burning Spear war wohl der Rastafari-Bote, der den jungen David Hinds in dieser Hinsicht am meisten inspirierte und dazu bewegte, den Punks den Rücken zu zu wenden:

„Burning Spear was like an outlet and a vehicle. He used his philosophy through the reggae music where we learnt of Marcus Garvey. It was an era where blacks, especially young blacks in England, wanted somthing to hold on to as far as a culture, because it was shown to us time and time again that we weren't a part of British society. So when Burning Spear came with that, it was like a Godsend. I would say Burning Spear was responsible for the birth of Rastafari in England.“

Burning Spear war es auch, der ihre Aufmerksamkeit auf Island Records lenkte. In dieser Zeit entstannten in Kooperation mit Karl Pitterson, der schon mit Bob Marley and The Wailers zusammengearbeitet hatte, ihr Debut-Album Handsworth Revolution, mit der Parodie KuKluxKlan. Der Bekanntheitsgrad wuchs und 1978 tourte Steel Pulse sogar mit Bob Marley and The Wailers auf der Europa-Tournee. Es folgte ein zweites Album Tribute To The Martyrs, 1979, mit Songs, die sich mit politschen Themen auseinader setzen.

Nach dem Erscheinenen von Caught You (Reggae Fever) 1980, wechselte Steel Pulse zu Elektra. Als sie von Bob Marleys Tod hörten produzierten sie nochmals ein Hit-Album zusammen mit Karl Pitterson. True Democracy kam etwas hart bezüglich dem, was Bob Marley hinterließ.

David Hinds: „When Bob Marley passed on, the last record he was noted for while passing was 'Could You Be Loved'. He used the word love, which was more in the genre of music that was hitting the airwaves, and then there was us, who was coming with a lot of militant stances. Your 'Rally Round The Flag', your 'Blues Raid Dance', and that kind of thing. All of a sudden the industry wasn't catering to that.“

Durch den Wechsel zu Elektra, wurde die Band mehr und mehr in die Pop-Reggae-Ecke gedrängt. 1984 wurde Earth Crisis, das erste digitale Album produziert. Elektra hätte Steel Pulse lieber in der Rolle eines Eddy Grant gesehen. Es folgte eine unspektakuläre Periode die das Album Babylon The Bandit, für dass sie perverser Weise den ersten Grammy erhielten, und schliesslich das sehr kommerzielle State Of Emergency hervorbrachte. Diese Sell-Outs werden von vielen Fans als die schlechtesten ihrer Kariere bezeichnet, die kaum mit den frühen Erfolgen vergleichbar sind.

Nach längerer Pause folgte 1991 Victims, ein erneuter Come Back Versuch, der nicht so recht klappte. Im selben Jahr brachte David Hinds die New Yorker Taxi Komission, wegen Diskriminierung von Schwarzen, im besonderen Rastas, vor Gericht. Die Komission wurde daraufhin zu einer Strafe in Höhe von $1 Million Dollar verurteilt. Die Victims Tour brachte ein Live Album hervor: Rastafari Centennial, aufgenommen in Paris (Elyseés Montmartre) und dem Hundertjährigen-Jubiläum von Haile Selassie gewitmet.

Keyboarder Selwyn Brown: „We reached a stage with the albums where we tried and tried and tried that crossover thing and basically got tired of it“

Die Tatsache ihrer frühen großen Erfolge, ließ die Band ihre wahre Richtung 1994 mit Vex wiederfinden. und wieder war es ein neues Experiment der Band, das diesmal jedoch aufgehen sollte.

Selwyn Brown: „...You could call it a waiting game. We knew that sooner or later, people are gonna want to hear roots again, just like in the seventies. We felt that within our hearts. We've been touring every year all over the place. When we tour, we talk with the people. People come backstage. They ask us certain things. They criticize certain things. They are curious about certain things. So, we listen to the people, and even within ourselves we knew that the people are going to want to hear something with substance again.“

Vex war der grösste Erfolg, seit True Democracy. Das X in Vex steht übrigens für Hind's Mentor Melcom X, darüber hinaus ist es ihr zehntes Album gewesen.

„People generally like the songs. They can remember them after the first listening...“, sagt David Hints und weiter „The experience was interesting. It was oure tenth album. Once again we wanted to experiment. I thought it was necessary to be vibing with the Jamaican people. It was necessary to see some of them coming into the studio periodically and say 'yes' to the direction we were taking.“

Bis heute sind drei weitere Alben entstanden: Rastanthology (1996), Rage and Fury (1999), mit der Adaption von Van Morrison's „Brown Eyed Girl“, und ein weiteres empfehlenswertes Live-Album Living Legacy (2000)

06.03.2022

Seitenanfang

Marcus Garvey School

Marcus Garvey School

Steel Pulse

Steel Pulse

Punky Style

Punky Style

Cover: Ku Klux Klan

Cover: Ku Klux Klan

Steel Pulse

Steel Pulse

Steel Pulse

Steel Pulse

Cover: Living Legacy

Cover: Living Legacy

(C) Rasta-Revolution.de 2007

Seitenanfang

E-Mail